Was tun, wenn die Stimmung kippt? - Konflikttraining im Jahr 2026
Und schon wieder wird die Luft dick. Bemerkungen werden spitzer. E-Mails kürzer. Die Stimmung angespannter. Manche ziehen sich zurück, andere werden lauter.
Zwischen Tür und Angel fallen Sätze wie „Ist mir jetzt auch egal“ oder „Machen wir es halt so“. An der Kaffeemaschine wird nur noch über Menschen gesprochen statt mit ihnen. Aus kleinen Irritationen werden Annahmen. Aus Annahmen entstehen Vorwürfe. Alle spüren, dass etwas nicht stimmt, doch spricht niemand das eigentliche Problem an...
Kommt Ihnen das bekannt vor?
Konflikte am Arbeitsplatz beginnen selten mit einem großen Knall. Sie entwickeln sich schleichend in Missverständnissen, unausgesprochenen Erwartungen, verletzten Bedürfnissen und unterschiedlichen Sichtweisen. In diversem Ausmaß sind sie fester Bestandteil des Arbeitsalltags vieler Unternehmen und entstehen überall dort, wo Menschen zusammenarbeiten, unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen und Entscheidungen getroffen werden müssen.
Mit ähnlichen Situationen beschäftigten sich 15 Führungskräfte aus unterschiedlichen Bereichen eines Industriekonzerns in einem zweitägigen Konflikttraining. Wir haben unsere Kollegin Katharina Rock, Senior Consultant bei CT, dabei begleitet und einen Blick hinter die Kulissen geworfen.
Als die ersten Teilnehmenden am Morgen eintreffen, wird schnell deutlich: Die Gruppe ist so vielfältig wie die Konflikte, die sie aus ihrem Arbeitsalltag mitbringen. Diverse Altersgruppen, verschiedene Unternehmensbereiche und ganz unterschiedliche Erfahrungen treffen aufeinander. Umso wichtiger ist es, zunächst einen sicheren Raum zu schaffen, der einen offenen Austausch ermöglicht.
„Besonders bei so gemischten Gruppen ist es mir wichtig, Austauschgelegenheiten innerhalb der Gruppe zu schaffen. Die Gespräche untereinander beschreiben Teilnehmende häufig schon als großen Mehrwert“, erzählt Katharina Rock. Denn auch das zeigt sich in Trainings immer wieder: Manche Menschen beteiligen sich sehr offen, andere beobachten zunächst lieber. Während einigen der Austausch im Plenum leichtfällt, fühlen sich andere in kleineren Gruppen wohler. Durch wechselnde Arbeitsformen, interaktive Übungen und gemeinsame Reflexionen können unterschiedliche Persönlichkeitstypen und Sichtweisen gleichermaßen Raum finden und im Austausch neue Perspektiven eröffnen.
Bevor es jedoch um Lösungsstrategien für Konflikte geht, steht zunächst eine andere Frage im Mittelpunkt:
Wie entstehen Konflikte überhaupt?
Eine zentrale Erkenntnis des ersten Trainingstages, die wir auch in Coachings und Trainings immer wieder versuchen, zu vermitteln: Was wir in Konflikten sehen, ist oft nur die Spitze des Eisbergs. So sehen wir beispielsweise Diskussionen, Missverständnisse oder Meinungsverschiedenheiten. Unter der Oberfläche liegen jedoch häufig unerfüllte Bedürfnisse, persönliche Werte, Erwartungen, Erfahrungen oder Emotionen, die den eigentlichen Konflikt antreiben.
Vom Verstehen ins Handeln
Während sich am ersten Trainingstag vieles um das Verstehen von Konflikten und die Reflexion des eigenen Konfliktverhaltens drehte, stand am zweiten Tag die praktische Anwendung im Mittelpunkt.
„Wie gehe ich in einer konkreten Konfliktsituation eigentlich vor?“
Ein besonderer Fokus lag dabei auf dem aktiven Zuhören und dem bewussten Einnehmen der Perspektive des Gegenübers. Denn gerade in Konfliktsituationen sind wir häufig schnell dabei, Argumente auszutauschen und nach Lösungen zu suchen. Dabei nehmen wir uns oft zu wenig Zeit, zunächst wirklich zu verstehen, wie die andere Person die Situation erlebt, welche Interessen sie verfolgt und welche Bedürfnisse möglicherweise hinter ihrer Position stehen.
Aufbauend auf Boris Grundls Aussage „Verstehen heißt nicht, einverstanden zu sein“, betont Katharina, dass es nicht darum gehe, die eigene Sichtweise aufzugeben oder der anderen Person immer recht zu geben. Vielmehr geht es darum, die eigene Perspektive für einen Moment zu erweitern und den Konflikt nicht ausschließlich durch die eigene Brille zu betrachten. Genau hier setzt das aktive Zuhören an. Durch gezieltes Nachfragen, das Spiegeln von Wahrgenommenem und den Versuch, auch die Interessen und Bedürfnisse hinter einer Position zu verstehen, können neue Ansatzpunkte für die weitere Konfliktklärung entstehen. „Wir sind oft viel zu schnell dabei, nach Lösungen zu suchen. Dabei lohnt es sich, zunächst unter die Oberfläche zu schauen und den Konflikt wirklich zu verstehen. Wenn das gelingt, wird es häufig deutlich leichter, gemeinsam eine tragfähige Lösung zu entwickeln“, erklärt Katharina.
Besonders lebendig wurde es in den Rollenspielen. Hier brachten die Teilnehmenden eigene Konfliktsituationen ein und hatten die Möglichkeit, unterschiedliche Gesprächsstrategien direkt auszuprobieren. Anschließend wurde gemeinsam reflektiert:
- Wann fühlte sich das Gegenüber verstanden?
- Wo wurde vorschnell argumentiert?
- Welche Fragen hätten geholfen, die eigentlichen Interessen hinter den Positionen sichtbar zu machen?
Gerade die Arbeit an realen Fällen und konkreten Gesprächssituationen soll dabei helfen, die Brücke zwischen Trainingsraum und Arbeitsalltag zu schlagen und den Transfer der Inhalte in die Praxis zu erleichtern.
Ein Werkzeugkasten für den Führungsalltag
Neben neuen Perspektiven und Denkanstößen bekamen die Teilnehmenden auch ganz konkrete Werkzeuge für ihren Arbeitsalltag an die Hand. Von Leitfragen für schwierige Gespräche über Methoden zur Konfliktanalyse bis hin zu Ansätzen des aktiven Zuhörens und der Konfliktmoderation entstand so ein persönlicher Werkzeugkasten, der dabei unterstützen kann, Konfliktsituationen im Berufsalltag bewusster und strukturierter zu gestalten.
Was nehmen die Teilnehmenden mit?
Zum Abschluss wurden die Teilnehmenden gebeten, das Training in drei Worten zu beschreiben.
Die Antworten reichten von „selbstreflektierend“ über „praxisnah“ bis hin zu „fürsorglich" und „gut auf die Gruppe abgestimmt". Ein Feedback, das uns besonders gefreut hat.