Von der Wissensvermittlung zum Praxistransfer: Was wirksame Trainings auszeichnet
Klare Lernziele, eine durchdachte Dramaturgie und passende Methoden sind die Grundlage eines professionellen Trainings. Doch ein gutes Konzept allein garantiert noch kein gutes Training.
Denn Trainings finden nicht auf dem Papier statt, sondern mit Menschen. Die Energie einer Gruppe verändert sich, Diskussionen entwickeln eine unerwartete Dynamik oder ein Thema erweist sich als relevanter als ursprünglich angenommen.
Professionelle Trainingssteuerung bedeutet deshalb auch, zu wissen, wann es sinnvoll ist, auch mal von der Agenda abzuweichen.
Wie das in der Praxis gelingt, darüber haben wir in unserer Interviewreihe „Ask the Consultant“ mit Tobias Hitziger, Senior Consultant bei CT, gesprochen.
Die Gruppe wahrnehmen, nicht nur die Agenda
Für Tobias Hitziger ist es zentral, während eines Trainings aufmerksam für das Energielevel der Gruppe zu bleiben und je nachdem, wie sich die Dynamik entwickelt, die passende Intervention abzuleiten.
Sinkt die Konzentration, kann eine aktivierende Übung sinnvoll sein. Entsteht dagegen eine intensive Diskussion, braucht es vielleicht keine neue Methode, sondern mehr Raum für Austausch und Reflexion.
Hitziger ist es besonders wichtig, ein Training zum Training der Teilnehmenden zu machen, ihnen Raum für Fragen zu geben und auf sie einzugehen.
Hinter diesem Anspruch steht ein Gefühl, das er bei den Teilnehmenden erreichen möchte: Das ist mein Training, ich werde gehört, das hat Relevanz für mich.
Nicht jeder wertvolle Lernmoment ist planbar
Situativ auf die Bedürfnisse der Teilnehmenden zu reagieren kann manchmal auch bedeuten, einem Thema mehr Raum zu geben als ursprünglich vorgesehen. Einen solchen Moment hat Hitziger besonders in Erinnerung: In einer Übung zum Umgang mit inneren Widerständen entwickelte sich aus dem konkreten Anliegen einer Teilnehmerin ein intensiver, emotionaler Austausch. Hitziger entschied, der Situation mehr Raum zu geben und die weitere Planung anzupassen. Im Rückblick erwies sich das als sehr wertvoll: Die gemeinsame Erfahrung brachte die Gruppe näher zusammen, und viele Teilnehmende berichteten anschließend, wie sehr sie die Übung berührt und zum Nachdenken angeregt hatte.
Die Agenda ist ein Rahmen, kein Selbstzweck
Wenn Teilnehmende eine Frage intensiv beschäftigt oder sich ein tiefergehender Austausch entwickelt, der für das Lernziel besonders relevant ist, kann es sinnvoll sein, vom geplanten Ablauf abzuweichen.
Das bedeutet nicht, Struktur aufzugeben. Im Gegenteil: Flexibilität braucht ein klares Ziel. Nur wenn Trainer:innen wissen, was sie mit einem Training erreichen wollen, können sie fundiert entscheiden, wann eine Abweichung vom Plan den Lernprozess unterstützt und wann nicht. Eine entscheidende Kompetenz für Trainer ist es somit auch, empfänglich für die Dynamik und Bedürfnisse der Gruppe zu sein und flexibel darauf reagieren zu können. Denn manchmal entstehen die wichtigsten Lernmomente eines Trainings dort, wo die Agenda sie übersehen würde.