KI in der Eignungsdiagnostik auf dem Prüfstand
10 Jahre Cornelia Tanzer GmbH! Das wurde vergangene Woche ordentlich gefeiert und das Firmenjubiläum zum Anlass genommen, einen Tag voller Möglichkeiten zum Austausch, spannender Workshops und inspirierender Impulsvorträge zu gestalten. Natürlich durfte dabei ein Thema nicht fehlen, das aktuell viele Diskussionen bestimmt: Macht KI die Eignungsdiagnostik wirklich effizienter, objektiver und besser?
Wie funktioniert KI eigentlich?
Um den Nutzen von KI in der diagnostischen Praxis einschätzen zu können, lohnt sich ein Blick auf die Grundlagen. KI ist ein Sammelbegriff für viele Technologien. Besonders relevant für die Diagnostik sind zwei Bereiche: Sprachmodelle und maschinelles Lernen.
- Sprachmodelle wie ChatGPT arbeiten nicht „denkend“, sondern probabilistisch: Sie berechnen anhand von Milliarden von Trainingsdaten, welches Wort mit der größten Wahrscheinlichkeit als nächstes folgt.
- Maschinelles Lernen zielt darauf ab, in großen Datenmengen Muster zu erkennen – und so Prognosen über neue Fälle zu treffen.
Einsatzfelder in der Eignungsdiagnostik
- Interviewpartner in Rollensimulationen – KI-Avatare übernehmen Gesprächsrollen.
- Analyse & Prognose – Sprachanalysen oder Datenmodelle sagen berufliche Passung voraus.
- Unterstützung im Prozess – von der Zeitplanerstellung über Protokolle bis hin zu Reports und Entwicklungshinweisen.
Die Möglichkeiten scheinen nahezu grenzenlos und all diese Anwendungen versprechen mehr Effizienz und eine objektivere Beurteilung. Doch so groß die Möglichkeiten sind, so klar sind auch die Grenzen.
Stolpersteine: Wo Vorsicht geboten ist
Trotz aller Möglichkeiten gibt es zentrale Herausforderungen im Einsatz von KI:
- „Black Box“ – Entscheidungen der KI sind oft nicht nachvollziehbar.
- „Garbage in – Garbage out“ – Qualität der Ergebnisse hängt von den Daten ab, aus denen die KI ihre Informationen zieht.
- Akzeptanz – Kandidat:innen und Unternehmen müssen Vertrauen entwickeln.
- Rechtliche Sicherheit – Fragen zu Datenschutz und Fairness sind noch nicht abschließend geklärt. Automatisierte Entscheidungen sind nicht rechtswirksam.
Fazit: Effizienter, objektiver, besser?
KI in der Eignungsdiagnostik ist kein Allheilmittel. Sie kann Prozesse effizienter machen und neue Perspektiven eröffnen, erfordert aber einen kritischen und verantwortungsvollen Einsatz. Für Unternehmen bedeutet das: Chancen nutzen, aber Stolpersteine ernst nehmen. Bei CT sehen wir den Einsatz von KI vergleichbar mit einem Navigationssystem im Auto: Sie zeigt uns Wege, schlägt Routen vor und liefert hilfreiche Zusatzinformationen. Doch das Steuer in der Hand behalten müssen wir. KI kann uns Orientierung bieten, ersetzt aber nicht unsere Verantwortung und unser Urteilsvermögen. Nur so kann KI langfristig zu besseren diagnostischen Entscheidungen beitragen – mit dem Steuer fest in unseren Händen.
Quellen:
Kiesow-Berger, H., Fell, M., Philippy, F., Steiner, E. (2023). KI-Unterstützung bei der digitalen Personalauswahl – Eine Fallstudie im Unternehmer-Kontext. In: Stulle, K.P., Justenhoven, R.T. (eds) Personalauswahl 4.0. Springer Gabler, Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-42142-7_10
Kanning, U. P. (2022). Künstliche Intelligenz in der Eignungsdiagnostik. In Digitales Human Resource Management: Aktuelle Forschungserkenntnisse, Trends und Anwendungsbeispiele (pp. 17-29). Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden.